Balintarbeit
 

Aus der alltäglichen Erkenntnis, mit Technik, Chemie und "Rezepten" allein nicht leidenden und hilfesuchenden Menschen helfen zu können entwickelte Balint, Arzt und Psychotherapeut, für die helfenden Berufe eine Methode zur ganzheitlichen Betrachtungsweise der Hilfesuchenden und der Beziehungsebene zum Helfer.

Dabei sollen die jedem Menschen eigenen intuitiven analytischen Fähigkeiten gestärkt, eine erfolgreiche professionelle Hilfe ermöglicht werden, und das auszehrende Gefühl der manchmal "hilflosen Helfer" abgebaut werden. Gerade in berufsgemischten Gruppen wird oft solidarisierend deutlich, daß es Menschen mit gleichen Wertvorstellungen und Zielen sind, die Hilfesuchenden zu Verfügung stehen, oft aber selbst zum Opfer ihrer Ziele werden, wenn sie nicht auch das unsichtbare "Handwerkszeug" für ihren Beruf lernen. Allein die Erkenntnis, daß alle die gleichen Probleme im Berufsalltag haben trotz ihres fachlichen Könnens, ist oft schon wohltuend.
Noch ein kleiner Hinweis gegen die Angst vor dem Mitmachen:
es geht um unsere Patienten, Klienten, Schüler ... nicht um uns, wenn der eine oder andere von einem schwierigen Fall berichtet.
Niemand wird zu irgend etwas gezwungen, niemand kann hier etwas falsch machen oder Kritik ernten, weil es weder um fachliche Qualifikation noch um Selbstdarstellung, -Erfahrung, oder Enthüllungen geht. Nur ganz im Stillen erfahren wir auch etwas von und für uns selbst!
.

Balint - Gruppen - Arbeit in Stichworten

Michael Balint: - ungarischer Psychoanalytiker und Therapeut. Schüler von S. Freud und Ferenczi Entwicklung der Methode in den fünfziger Jahren.

Warum Balintarbeit?

Diejenigen, die heilend tätig sind, verfügen keineswegs immer über die Stärke und das Maß an seelischer und körperlicher Gesundheit, wie sie selbst glauben (machen). Sie besteht nur relativ im Vergleich zum Hilfsbedürftigen.

Daraus folgt:
1. eine hohe seelische Ansteckungsgefahr mit Verstrickung und Hilflosigkeit (weil
statt ,,Menschenwissen" meist nur ,,Faktenwissen" vorhanden ist)
2. im weiteren Verlauf ein Burn-out im Beruf durch die chronische Überforderung

Die Methode

8 - 12 Teilnehmern einer Berufsgruppe (oder auch gemischte Gruppen) treffen sich verbindlich und regelmäßig z.B. 1 mal im Monat über mindestens 2 Jahre - jeweils 2 Doppelstunden (= 3 Zeitstunden.)
Die Gruppe bearbeitet unter kompetenter Anleitung "analytisch" den freien unzensierten Fallvertrag eines Teilnehmers aus dessen Berufsalltag im ,,raumgebenden" Wechselgespräch unter Zuhilfenahme des Instrumentariums, welches jeder hat: die eigene Person mit ihrer emotionalen Erfahrung und angeborenen intuitiven Fähigkeit, in dem Sie aufgreift, was ,,atmosphärisch in der Luft liegt": Die eigenen freien Assoziationen hierzu verschaffen Zugang zum unbewußten Geschehen, der Hilfesuchende ist so mittels seines Helfers in der Gruppe anwesend. Sein Problem, seine Fragen, wie auch die des ,,Helfers" werden zum Problem und den Fragen der Gruppe, auf die es keine absolut richtigen oder falschen Antworten geben kann - nur subjektive Momentaufnahmen und Prognosen, die, im Nachhinein vom Betroffenen überprüft, sich überraschend oft als richtig erweisen.
Diese Erkenntnis macht Mut zu allseitiger Freiheit, Echtheit und Akzeptanz.


Die Teilnehmer

alle, die in helfenden, psycho-sozialen und medizinischen Berufen tätig sind.
Beispiele: Ärzte und Mitarbeiter, Krankenschwestern, Pfleger, Psychologen, Therapeuten, Erzieher, Sozialpädagogen, Bewährungshelfer, Sozialarbeiter, Lehrer, Seelsorger, Rechtsanwälte und Richter.

 
Voraussetzungen:

1. regelmäßige Arbeit mit Patienten und Klienten (praktische berufliche Erfahrung)
2. bestehender Wunsch nach Austausch und gemeinsamer Beratung
3. vorhandenes Interesse an psychologischen Fragestellungen
4. Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der beruflichen Situation
5. Bereitschaft zu kontinuierlichem Training eigener Fähigkeiten, Arbeit und
Lernerfahrung - Erfolg!

Die Ziele:

1. Zuhören, Verständnis und Einfühlung lernen
2. Verbesserung der "emotionalen Intelligenz"
3.
Überwindung von Vorurteilen
4. Verbesserung der Fremd- und Selbstwahrnehmung
5. Erkennen lernen von Übertragungs- und Gegenübertragungserscheinungen
6. Erkennen der seelischen Hintergründe von Erkrankungen und auffälligen
Verhaltensweisen.
7. Verbesserung der Diagnosefähigkeit
8. Verständnis erlangen für das unbewußte Geschehen in der Beziehung zwischen
Helfer und Hilfesuchenden
9. Befähigung zur Abgrenzung aber auch zum angstfreien, echten sich einlassen
10. Wirksame und befriedigende Gestaltung der eigenen beruflichen Arbeit
11. Vermeintlich Altbekanntes in neuem Licht sehen und oftmals überraschend
neuartige Lösungen erkennen
12. Entwicklung, evtl. Veränderung der eigenen Person.
.

Wir müssen alle auch mal lernen NEIN zu sagen