Balint? – Balintgruppe? – Balintarbeit? – wozu?

 

Michael Balint war ein ungarischer Arzt und Therapeut in der Mitte des letzten Jahrhunderts, der - damals zunächst bei seinen ärztlichen Kollegen – die Gefahr der seelischen" Ansteckung", Belastung und "Ausbrennen" durch die Nöte der Patienten beobachtete und der deshalb die später nach ihm benannte Balintarbeit aus der Psychoanalyse heraus als Abhilfe für Gruppen entwickelte.

Immer wieder konnte er, und kann man auch heute und immer öfter beobachten, wie selbst erfahrene Helfer in Konflikte mit den Hilfesuchenden verstrickt werden, die ihre eigenen seelischen Probleme auf Helfer und ganze Teams übertragen oder auch, dass jene untereinander (Mobbing) in destruktive Situationen geraten, was manchmal sogar zu persönlichen Lebenskrisen führt.

Balint- Arbeit ist deshalb heute eine gut erforschte, bewährte, praxisnahe und beliebte Methode, schwierige Fälle und Konflikte im Team der freiwillig berichtenden Teilnehmer in einer geschützten, angenehmen Atmosphäre im moderierten Wechselgespräch zu besprechen, die "emotionale Intelligenz" zu fördern, und dem Burn-out vorzubeugen.

In einer solchen Balintgruppe sitzen 8 - 12 Personen aus sozialen bzw. helfenden Berufen unter der Moderation eines ausgebildeten Balint-Gruppenleiters zusammen. 1 1/2 Stunden lang beschäftigen sie sich mit einer Beziehung zwischen Helfer und Hilfesuchendem und den seelischen Problemen, die dieser dem Helfenden überträgt und die der Helfer erhellt haben möchte. Er beschreibt die Begegnung mit einem Hilfesuchenden aus der Erinnerung, ohne dass er hierzu Aufzeichnungen oder eine Krankenkartei benutzt – und auch nicht benötigt.

Es entsteht so ein erlebnis- und gefühlsnaher Eindruck vom Helfer (Referenten), vom Hilfesuchenden und von ihrer Beziehung zueinander. Die Teilnehmer, die diesem Bericht zuhören, geben anschließend ihren Eindruck, ihre Gefühle und Phantasien unter Nutzung ihrer angeborenen "emotionalen Intelligenz" dazu wieder. Hieraus entsteht ein komplexes Bild der Helfer-Hilfesuchenden-Beziehung, das der Vortragende sich schweigend aus der Distanz in Ruhe betrachten kann. Er bekommt Anregungen für eine neue Sichtweise, blinde Flecken werden erhellt. Er erkennt seine Wirkung auf den Patienten und seine eigenen Verhaltensmuster – und umgekehrt.

Die Balintarbeit bietet so – für andere Teilnehmer unbemerkt - einerseits ein Stück Selbsterfahrung für den Helfer, die allmählich zu einer „begrenzten aber doch wesentlichen Wandlung in seiner Persönlichkeit" (Balint) führt, andererseits lernt der Helfer, sich stärker auf den Hilfesuchenden und dessen Erleben zu konzentrieren und dadurch über die seelischen Konflikte hinaus die Gesamtpersönlichkeit, den Ganzheitsaspekt im Auge zu behalten. Dies führt zu einer effektiven Hilfe in entspannter Atmosphäre.

Regelmäßig entwickeln sich aus der "angeborenen analytischen Kompetenz" der Gruppe unter professioneller Anleitung nicht nur Antworten auf die vorgenannten Fragen, sondern es entstehen oft ungeahnte neue Lösungswege.

Somit dient die Balintarbeit dem Wohle des Hilfesuchenden und des Helfers – eigene Psychohygiene und Burnout-prophylaxe gleichermaßen.
Da es in der Fallarbeit um die uns zunächst unbewussten Hintergründe von Störungen geht und nicht um "handwerkliches" Können, kann auch niemand etwas falsch machen oder kritisiert werden.

Als besondere Form der Supervision ist Balint-Gruppenarbeit auch Voraussetzung zur Berufsausübung.